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POESIE - ARION-CHOR-BERLIN

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Boris Pasternak

Berühmt zu sein

Berühmt zu sein ist nicht das Wahre.
Das ist es nicht, was uns erhebt.
Es lohnt nicht, daß man bange Jahre
An alten Manuskripten klebt.

Des Schaffens Ziel ist Selbsthingabe,
Und nicht Erfolg und lautes Schrei’n.
Und Schmach ists, ohne Wert zu haben,
Ein Spruch in aller Mund zu sein.

Nein – leben, nicht vom Stolz getrieben,
So leben, daß zuguterletzt
Man auf sich zieht des Raumes Liebe,
Der Zukunft Ruf vernimmt im Jetzt.

Und stehen lassen, was vergebens,
Im Schicksal, aber nicht im Werk;
Ganze Kapitel seines Lebens
Abtun mit einem Randvermerk;

In Unbekanntheit untertauchen
Und drin verbergen seinen Schritt,
Wie sich verbirgt im Nebelhauchen
Die Landschaft bis man nichts mehr sieht.

Dein Weg wird auf lebendigen Fährten
Einst Andern Stuf‘ um Stufe klar,
Doch selber darfst du nie bewerten
Was Sieg, was Niederlage war,

Und keinen Deut von dem aufgeben,
Was der Person gehören muß –
Lebendig bleiben, nichts als leben –
Nichts als lebendig, bis zum Schluß.


aus:"Wenn es aufklart",Gedichte 1956-1959;
uebertragen aus dem Russischen
von Rolf-Dietrich Keil  
Frankfurt a.M. 1960 (S.Fischer Verlag)



Elli Michler

Ich wünsche dir fürs neue Jahr

Ich wünsche dir fürs neue Jahr
das große Glück in kleinen Dosen.
Das alte lässt sich ohnehin
nicht über Nacht verstoßen.


Was du in ihm begonnen hast
mit Mut und rechter Müh',
das bleibt dir auch noch Glück und Last
in neuer Szenerie.


Erwarte nicht vom ersten Tag
des neuen Jahres gleich zuviel!
Du weißt nicht, wie er's treiben mag,
es bleibt beim alten Spiel.


Ob gute Zeit, ob schlechte Zeit,
wie sie von Gott gegeben,
so nimm sie an und steh bereit
und mach daraus dein Leben!

Aus:
Dir zugedacht, © Don Bosco Medien
GmbH, ,München , 21. Aufl.2012
www.ellimichler.de



Antoine de Saint Exupéry   

Es ist gut

Es ist gut,
wenn die verrinnende Zeit
nicht als etwas erscheint,
das uns verbraucht und zerstört,
sondern als etwas das uns vollendet.

Es ist gut,
wenn die Zeit ein Bauwerk ist.

("Die Stadt in der Wüste",
Übersetzer nicht bekannt)



Theodor Fontane


Summa Summarum

Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden
(Fast wär ich auch mal Hofrat geworden),
Ein bischen Namen, ein bischen Ehre,
Eine Tochter „geprüft“, ein Sohn im Heere,
Mit siebzig ‚ne Jubiläumsfeier,
Artikel im Brockhaus und im Meyer…
Altpreußischer Durchschnitt, Summa Summarum,
Es drehte sich immer um Lirum Larum,
Um Lirum Larunm Löffelstiel.
Alles in allem – es war nicht viel.






Angela Krauß

Sei ganz ruhig

Das Leben besteht nicht aus Sensationen,
es läuft nicht davon,
es bietet keine verpassten Gelegenheiten,
es wird nicht einmal weniger mit dem Jahren.
Dreh dich nur beiläufig um :
Es wird mehr.

Aus:
http://angelakrauss.de/werk/ich-muss-mein-herz-ueben.html




Peter Turrini   

Solange die Existenz

Solange die Existenz
und die Lage
des Paradieses
nicht geklärt sind
halte ich mich
an dich.

Aus:
http://www.suhrkamp.de/buecher/im_namen_der_liebe-peter_turrini_45705.html
Peter Turrini
"Im Namen der Liebe"
suhrkamp taschenbuch 3705, Broschur, 125 Seiten
ISBN: 978-3-518-45705-4



Zbigniew Herbert

Kiesel

Der kiesel ist als geschöpf
vollkommen

sich selber gleich
auf seine grenzen bedacht

genau erfüllt
vom steinernen sinn

mit einem geruch der an nichts erinnert
nichts verscheucht keinen wunsch erweckt

sein eifer und seine kühle
sind richtig und voller würde

ich spür einen schweren vorwurf
halt ich ihn in der hand
weil dann seinen edlen leib
die falsche wärme durchdringt

- kiesel lassen sich nicht zähmen
sie betrachten uns bis zum schluß
mit ruhigem sehr klaren auge

(aus dem Polnischen von Karl Dedecius)



Omar Khayyam


O komm, Geliebte

O komm, Geliebte, komm, es sinkt die Nacht,
Verscheuche mir durch deiner Schönheit Pracht
Des Zweifels Dunkel! Nimm den Krug und trink,
Eh man aus unserm Staube Krüge macht.

(aus dem Persischen von Friedrich Rosen)



Ludwig Uhland

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!



 
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